Interview Rückblick und Ausblick am bidt

Rückblick und Ausblick am bidt

Im Kurzinterview berichtet bidt-Direktor Alexander Pretschner, welche Highlights für ihn das Jahr 2021 geprägt haben und worauf er sich 2022 besonders freut.

Zum Jahresauftakt haben wir mit Professor Alexander Pretschner, Vorsitzender im bidt-Direktorium, über die Highlights 2021 sowie neue Vorhaben und Entwicklungen am bidt 2022 gesprochen – und sind der Frage nachgegangen, welche Eissorte eigentlich ganz gut zum bidt passen würde.

Auf welche bidt-Leistung waren Sie 2021 besonders stolz?

Besonders stolz bin ich darauf, in welcher Geschwindigkeit wir es geschafft haben, von einem extrem schnellen Aufbau in eine erste Konsolidierungsphase überzugehen und dabei gleichzeitig tolle neue Formate zu konzipieren und umzusetzen – etwa unser umfangreiches Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Eine wirklich tolle Leistung aller unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!

Stolz bin ich weiterhin auf die Qualität der wissenschaftlichen Ergebnisse aus unseren internen und externen Projekten. Und dann freue ich mich, dass wir nicht nur in überregionalen Medien und Veranstaltungen eine starke inhaltliche Präsenz zeigen, sondern dass wir auch zunehmend um Rat gefragt werden.

Wir ‚rufen und schreiben‘ also nicht nur, sondern man hört uns auch zu. Und das ist natürlich eine ganz zentrale Voraussetzung dafür, als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch gestalterisch tätig zu werden.

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Was schließlich die Innenschau angeht, freue ich mich wirklich jeden Tag über unsere ausgezeichneten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und über unsere Kultur des Umgangs miteinander.

Welches bidt-Ereignis hat sie 2021 am meisten beeindruckt?

Am meisten beeindruckt hat mich ganz klar unsere bidt Konferenz 2021 im Oktober. Da hat einfach alles gestimmt: die Inhalte, die Verknüpfung von Resultaten des bidt mit den Arbeiten anderer Forscherinnen und Forscher, das hybride Format, die perfekte Organisation. Und die Erkenntnisse, die wir mit nach Hause genommen haben.

Wo konnte das bidt Ihrer Meinung nach 2021 einen Beitrag leisten?

Unsere wichtigsten Beiträge sind sicherlich inhaltlicher Natur; die kann ich hier aber nicht alle aufzählen. Abgesehen davon liegt ein großer Beitrag darin, dass wir die Durchführung interdisziplinärer Forschungsprojekte in doch beeindruckendem Ausmaß in Bayern ermöglichen. Auf Bundesebene ermöglichen (und können!) dies ansonsten hauptsächlich private Stiftungen – und natürlich vereinzelt auch Förderorganisationen. Ich finde es wirklich vorbildlich, wie der Freistaat Bayern hier eine strategische Vorreiterrolle übernimmt.

Ein toller Nebeneffekt ist außerdem, dass sich durch die Vernetzung in den Konsortialprojekten bereits heute neue Kooperationen auch außerhalb des bidt etablieren. Unser Engagement wirkt sich damit positiv auf die Vernetzung der Wissenschaft in Bayern aus. Wir verfolgen, wie sich das weiterentwickelt. Ich bin jedenfalls sehr zuversichtlich, dass wir auch hier strategisch einen wertvollen Beitrag leisten werden.

Worauf freuen Sie sich 2022 am bidt besonders?

Unter anderem freue ich mich auf die Weiterentwicklung unserer sogenannten „Wissenslandkarte“.

Die Mission des bidt besteht aus zwei Teilen: dem Verständnis und der Gestaltung der Digitalisierung in der Gesellschaft.

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Ein zentrales Ziel unseres Instituts und ein erster Schritt in Richtung Gestaltung ist es folglich, die Wirkmechanismen der Digitalisierung wissenschaftlich fundiert zu begreifen. Daran arbeiten wir natürlich in allen Projekten, den Konsortialprojekten, den internen Projekten, im Think Tank und auch im Dialog.

Diese Wirkmechanismen entfalten sich nun auf unterschiedlichen Ebenen, u. a. auf der technischen, rechtlichen, ökonomischen und soziologischen Ebene. Andererseits fehlt uns bis jetzt noch ein Format, in dem wir unser wachsendes Verständnis dieser Wirkmechanismen allgemeinverständlich und integriert sammeln und der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.

Wir haben deshalb im letzten Jahr mit dem Aufbau eines auf unserer bidt-Website zugänglichen Glossars zu zentralen Begriffen der digitalen Transformation begonnen. In einem nächsten Schritt gehen wir weiter und stellen die einzelnen Begriffe im Rahmen der Wissenslandkarte in Beziehung zueinander. Natürlich ist mir klar, dass Wirkzusammenhänge in komplexen regulierten sozio-technisch-ökonomischen Systemen außerordentlich facettenreich sind. Wir stehen hier also vor einer großen Herausforderung, die ich aber unglaublich spannend finde!

Welche (politische) Entscheidung rund um die digitale Transformation könnte 2022 relevant werden?

Wenn das schon 2022 passieren sollte, ist wohl die EU-Regulierung von Künstlicher Intelligenz besonders relevant. Dazu eine Bemerkung: Natürlich ändern politische Entscheidungen die Welt auf besonders sichtbare Weise und den Ruf nach Regulierung hört man ja zunehmend. Viele Digitalisierungsbestrebungen in der Gesellschaft – etwa in den Schulen und Universitäten, der öffentlichen Verwaltung, dem Beschaffungswesen, der Medizin oder auch im Mittelstand – scheinen heute aber nicht am Mangel politischer Entscheidungen oder Vorgaben zu „kranken“. Eher sind es ganz handfeste Gründe in puncto (Hintergrund-)Wissen oder Veränderungsbereitschaft, weshalb Digitalisierungsprojekte keine praktische Schlagkraft entwickeln. Diese in meinen Augen enorme Herausforderung erfolgreicher Digitalisierung dürfen wir auf gar keinen Fall vergessen.

Welchen Rat geben Sie jungen Nachwuchsforscherinnen und -forschern am bidt zum Jahresauftakt mit?

Denken Sie ergebnisorientiert. Seien Sie immer neugierig und nutzen Sie die enorme fachliche Breite und Interdisziplinarität unseres Instituts. Ich bin wirklich dankbar für die Leistungskraft unserer Forscherinnen und Forscher – weiter so!

Eine letzte Frage bei winterlichen Temperaturen und mit Blick auf den Sommer: Wenn das bidt eine Eissorte wäre – welche und warum?

Das ist doch gerade das Interessante am bidt: Es ist nicht eine einzelne Eissorte, sondern ein riesiger Eisbecher mit allen möglichen Sorten!

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