Effekte von Datenportabilität auf die Nutzungs- und Zahlungsbereitschaft für Onlineservices

Effekte von Datenportabilität auf die Nutzungs- und Zahlungsbereitschaft für Onlineservices

Dr. Robert Luzsa Lehrstuhl für Psychologie mit Schwerpunkt Mensch-Maschine-Interaktion | Universität Passau
Prof. Dr. Susanne Mayr Lehrstuhl für Psychologie mit Schwerpunkt Mensch-Maschine-Interaktion | Universität Passau

Das Working Paper Studie untersucht auf Basis einer Conjoint-Analyse exemplarisch, wie aktives Kommunizieren von Datenportabilität die Nutzungsbereitschaft für E-Mail-Dienste beeinflusst.

Wie wirkt sich das Recht auf Datenportabilität auf die nutzerseitige Wahrnehmung von Onlinediensten aus und welche Potenziale für die Neugewinnung von Nutzenden ergeben sich daraus? Das Autoren-Team geht in seinem Working Paper konkret der Frage nach, wie Datenportabilität – im Sinne von einfacher Datenmitnahme beim Wechsel zu einem neuen E-Mail-Dienst – die Nutzungs- und Zahlungsbereitschaft beeinflusst. Zudem untersucht es, welche Rolle digitale Kompetenz und Einstellungen zu Datenschutz des Nutzenden hierbei spielen und wie Nutzende verständlich auf die Möglichkeit zur Datenportabilität hingewiesen werden können.

Das Wichtigste in Kürze

Die Ergebnisse zeigen, dass aktives Bewerben von Datenportabilität die Nutzungsbereitschaft für einen Dienst signifikant erhöht, verglichen mit einem Dienst ohne explizit beworbene Portabilitätsmöglichkeit. Datenportabilität steigert also die Attraktivität eines sonst gleichwertigen Dienstes. Gleichzeitig erhöht Datenportabilität die Zahlungsbereitschaft für Dienste – so war in der aktuellen Studie die Nutzungsbereitschaft für einen teureren Dienst mit Portabilität durchgehend höher als die Nutzungsbereitschaft für den nächst günstigeren Dienst ohne Portabilität.

Erste Überlegungen für die Gestaltung und Bepreisung von Onlinediensten im Zusammenhang mit Datenportabilität:

  • Anbieter haben Vorteile, wenn sie das Recht auf Datenportabilität, dessen Umsetzung die DSGVO ohnehin fordert, nutzerfreundlich gestalten und einfache Import- und Exportmöglichkeiten für Daten und Inhalte anbieten.
  • Auf diese Möglichkeiten sollte aktiv hingewiesen werden, da sie dazu führen, dass Kundinnen und Kunden das Angebot positiver wahrnehmen und eher bereit sind, es zu nutzen.
  • Hinweise auf Datenportabilität sollten klar kommunizieren, dass Daten nur auf Wunsch der Nutzenden übertragen werden, und dass keine Datenweitergabe an Dritte ohne explizite Einwilligung erfolgt. Visuelle Prozessdarstellungen können das Verständnis von Datenportabilität fördern.
  • Der positive Effekt von Datenportabilität auf die Nutzungsbereitschaft trat in der aktuellen Studie sowohl für kostenlose wie auch kostenpflichtige Angebote auf.
  • Der Anteil von Kundinnen und Kunden, die bereit sind, (mehr) für einen Dienst zu bezahlen, wurde in der Studie durch einen expliziten Hinweis auf Datenportabilität ebenfalls gesteigert. Nutzerfreundliche Import- und Exportmöglichkeiten erlauben es Anbietern somit, Angebote (höher) zu bepreisen.
  • Um wie viel sich die Zahlungsbereitschaft erhöht, muss für unterschiedliche Arten von Onlinediensten (etwa E-Mail, Cloud, Streaming etc.) spezifisch und unter Berücksichtigung der Wettbewerbssituation festgestellt werden.

Insgesamt legt das aktuelle Working Paper somit nahe, dass Datenportabilität nicht nur für Nutzerinnen und Nutzer, sondern auch für Dienstanbieter Vorteile hat und aktiv gestaltet werden sollte.