bidt-Digitalbarometer.international
Dr. Roland A. Stürz bidt
Christian Stumpf bidt
Antonia Schlude bidt
Ulrike Mendel bidt
Danilo Harles bidt
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Als Kooperationsprojekt des bidt und des SZ-Instituts der Süddeutschen Zeitung vergleicht das bidt-Digitalbarometer.international den Stand der digitalen Transformation in Deutschland mit Österreich, Finnland, Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien. Dazu wurden in den sieben Ländern Personen zu Nutzungsverhalten, E-Government, digitalen Kompetenzen, digitaler Transformation der Arbeitswelt sowie künstlicher Intelligenz (KI) befragt.

Das Wichtigste in Kürze

Die digitale Transformation zeigt sich in allen Lebensbereichen, ob am Arbeitsplatz, im Privatleben oder beim Kontakt mit Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung. Damit einher gehen große Herausforderungen für Wirtschaft, Gesellschaft und Staat, denn alle müssen sich an die sich wandelnden Gegebenheiten anpassen. Eine herausragende Rolle spielen dabei digitale Kompetenzen, denn nur wer über ausreichend digitale Kompetenzen verfügt, kann auch am digitalen Leben teilhaben.

Das bidt-Digitalbarometer.international stellt aus Bevölkerungsbefragungen Daten zur digitalen Transformation in sechs europäischen Ländern zur Verfügung und erlaubt einen Vergleich mit dem bidt-SZ-Digitalbarometer 2022 für Deutschland. In Deutschland wurden dafür im August und September 2021 insgesamt 9.044 Personen befragt. Zwischen November 2022 bis Januar 2023 erfolgten Datenerhebungen in Österreich, Finnland, Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien, wobei zwischen 1.157 und 1.734 Personen pro Land befragt wurden. Das bidt-SZ-Digitalbarometer 2022 und das bidt-Digitalbarometer.international erlauben repräsentative Aussagen über die jeweilige Wohnbevölkerung ab 14 Jahren.

Nutzungsverhalten und E-Government

Deutschland liegt bei der Internetnutzung im Mittelfeld der untersuchten Länder. Bei der Nutzung von Festnetztelefonie ist Deutschland Spitzenreiter, bei der Smartphonenutzung, hinsichtlich Onlinebewerbungen und der Nutzung von medizinischen und therapeutischen Dienstleistungen online hingegen Schlusslicht. Beim Abschluss eines kompletten Verwaltungsvorgangs online ist Deutschland ebenfalls abgeschlagen. Jedoch geben in Deutschland vergleichsweise viele Befragte an, schnell Gefallen an technischen Neuentwicklungen zu finden.

Digitale Kompetenzen

Die Messung digitaler Kompetenzen erfolgte mittels eines Selbsteinschätzungstests (DigCompSAT), der auf dem europäischen Referenzrahmen für digitale Kompetenzen (DigComp) basiert.

Die Bevölkerung in Deutschland bildet bezüglich digitaler Kompetenzen zusammen mit Spanien und Italien die Schlussgruppe. Detaillierte Analysen zeigen, dass in Deutschland digitale Kompetenzen meist stärker als in anderen Ländern von sozio-strukturellen Faktoren abhängig sind. Während sich im Ländervergleich kaum Unterschiede bei Personengruppen mit hohen digitalen Kompetenzen ergeben, fallen ältere Menschen, Einkommensschwächere und Frauen in Deutschland hinsichtlich ihrer digitalen Kompetenzen teils deutlich hinter den entsprechenden Vergleichsgruppen in den anderen Ländern zurück. Damit ist die digitale Kompetenzkluft in Deutschland besonders stark ausgeprägt.

Digitale Transformation der Arbeitswelt

In Deutschland sehen anteilig mehr Erwerbstätige als in den anderen Ländern die Digitalisierung als Chance für ihr Unternehmen.

Gleichzeitig geben mehr Erwerbstätige als in den anderen Ländern an, dass der Digitalisierung im eigenen Unternehmen zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird. Angst vor einem Tätigkeitsverlust im Zuge des digitalen Wandels haben jedoch relativ wenige Deutsche. Die Möglichkeiten der Weiterbildung zum Themenbereich Digitalisierung in eigenen Unternehmen werden von deutschen Erwerbstätigen im internationalen Vergleich als relativ schlecht bewertet.

Künstliche Intelligenz

In Deutschland ergibt sich im internationalen Vergleich eine relativ ausgeglichene Chancen-Risiko-Einschätzung von künstlicher Intelligenz. Vor allem beim Erkennen von Krankheiten und beim autonomen Fahren ist in Deutschland der Anteil derer, die überwiegend Chancen des Einsatzes von künstlicher Intelligenz sehen, größer als in den anderen untersuchten Ländern. Der selbst eingeschätzte Wissensstand über künstliche Intelligenz ist in Deutschland und Finnland am höchsten.

Handlungsfelder

Digitale Transformation muss verstärkt als gesamtgesellschaftlicher, pluralistischer Prozess verstanden werden, an dem Menschen aktiv teilhaben können. Dazu gehört unter anderem auch eine Beschleunigung der Bereitstellung digitaler öffentlicher Verwaltungsangebote, wobei auch ein gezieltes Augenmerk auf die Nutzerperspektive gelegt werden muss.

Im Bereich digitaler Kompetenzen zeigt sich, wie wichtig niederschwellige Lernangebote sind, die für alle Individuen zugänglich sind, um sozialer Ungleichheit und der digitalen Kluft entgegenzuwirken. Vor dem Hintergrund der alternden Gesellschaft in Deutschland muss ein Hauptaugenmerk auf der Stärkung der digitalen Kompetenzen der Älteren liegen. In Bezug auf den Fachkräftemangel muss ein weiteres Hauptaugenmerk auf lebenslanges Lernen und verstärkte Weiterbildungsaktivitäten gelegt werden.

Im Bereich künstliche Intelligenz sind vor dem Hintergrund der Studienergebnisse überstaatliche Regulierungsbemühungen des europäischen AI Act mit einem risikobasierten Ansatz grundsätzlich zu begrüßen. Wichtig wird jedoch sein, durch einen geeignet flexiblen Regulierungsrahmen der rasanten Entwicklungsgeschwindigkeit von KI Rechnung zu tragen.

Ihre digitalen Kompetenzen im Vergleich

Machen Sie den Vergleichstest auf der Webseite unseres Kooperationspartners, der SZ. Ermitteln Sie Ihre Kompetenzwerte, vergleichen Sie diese mit unseren Ergebnissen und erfahren Sie, wo Ihre Stärken und Schwächen liegen!