Pressemitteilung Neues DFG-Projekt zur Evidenz von Citizen Science

Neues DFG-Projekt zur Evidenz von Citizen Science

Andreas Wenninger, wissenschaftlicher Referent am bidt, leitet zusammen mit Sascha Dickel von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Forschungsvorhaben über „Die Evidenzkultur der Citizen Science. Normierung, Evaluierung und Kontrolle partizipativer Forschung“. Das Projekt ist Teil der interdisziplinären DFG-Forschungsgruppe 2448 „Practicing Evidence – Evidencing Practice“.

In Projekten der Citizen Science unterstützen Bürgerinnen und Bürger die Wissenschaft – auch Kinder können mitmachen.
© Kate Wilcox / stock.adobe.com

Sie beobachten Vögel, untersuchen Böden und katalogisieren Bilder: In Projekten der Citizen Science übernehmen Laien Aufgaben für die Wissenschaft. Dr. Andreas Wenninger vom bidt und Juniorprofessor Sascha Dickel von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz forschen darüber, wie es um die Glaubwürdigkeit und Evidenz der Bürgerwissenschaft steht. Ihr Projekt „Die Evidenzkultur der Citizen Science“ wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft über einen Zeitraum von drei Jahren gefördert.

Citizen Science profitieren von Digitalisierung

Die Bürgerwissenschaften, wie Citizen Science auch genannt wird, sind seit einigen Jahren im Aufwind. Das liegt auch an den Möglichkeiten der Digitalisierung: „Durch die Verfügbarkeit digitaler Technologien ist es viel einfacher geworden, Laien an der Forschung zu beteiligen. Die Ausstattung mit digitalen Geräten ermöglicht es, Daten langfristig und flächendeckend zu erheben. Dafür reicht oft schon ein Smartphone“, sagt Andreas Wenninger.

In den vergangenen Jahren haben Sascha Dickel und Andreas Wenninger zusammen mit Sabine Maasen (Munich Center for Technology in Society, TUM) in verschiedenen Projekten Evidenzpraktiken der Citizen Science untersucht. In ihrem neuen Forschungsvorhaben richten sie den Blick nun insbesondere auf projektübergreifende Evidenzpraktiken: Anhand welcher Kriterien und Verfahren wird Citizen Science evaluiert? Wie wird ihre Wissenschaftlichkeit gesichert und welchen institutionellen Normen unterliegt sie? Welche Konfliktlinien entstehen dabei?

Wie werden Kriterien für eine gute wissenschaftliche Praxis der Bürgerwissenschaft ausgehandelt?

Das Forschungsteam wird Arbeitsgruppen- und Netzwerktreffen der Citizen Science begleiten und empirisch erheben, wie Kriterien für eine gute wissenschaftliche Praxis der Bürgerwissenschaft ausgehandelt und umgesetzt werden. Dabei wird auch untersucht, welche Rolle digitale Technologien spielen. Das Projekt will in Erfahrung bringen, inwiefern sich in der Citizen Science aktuell eine transdisziplinäre Evidenzkultur herausbildet, die auf die massenhafte Inklusion von Amateurinnen und Amateuren in die Forschung reagiert – und welche Normen, Praktiken, Technologien und Konfliktlinien diese Kultur konstituieren.

„In den Citizen Science wird wissenschaftliche Evidenz stark thematisiert, wobei es unterschiedliche Positionen gibt, was gute wissenschaftliche Praxis ist. Wir wollen untersuchen, welche Dynamik sich daraus entwickelt. Damit leisten wir auch einen Beitrag zur Debatte, wie Wissenschaft in der heutigen Zeit auf Herausforderungen wie Fake News und Nachhaltigkeit reagieren kann.“

Dr. Andreas Wenninger ist wissenschaftlicher Referent am bidt. Der Soziologe war von 2015 bis 2019 Research Associate am Munich Center for Technology in Society der TUM. In seiner Dissertation untersuchte er „Wissenschaft und kommunikative Grenzarbeit im Internet am Beispiel eines Blogportals“.