Nachbericht Ethik und Recht autonomer Systeme

Ethik und Recht autonomer Systeme

Was können autonome Systeme wie selbstfahrende Autos bereits? Und wie sollten neue Technologien reguliert werden? Das bidt war Mitveranstalter eines Themennachmittags über Mobilität.

Die Mobilität von morgen und autonome Systeme wie fahrerlose Autos standen im Fokus eines Themennachmittags, den das bidt zusammen mit dem Zentrum Digitalisierung.Bayern, Bayern Innovativ und der Forschungsstelle RobotRecht der Universität Würzburg am 14. Oktober 2019 in Würzburg veranstaltet hat.

Gastgeber Professor Eric Hilgendorf, Mitglied im bidt-Direktorium und Inhaber des Lehrstuhls für Strafrecht und Strafprozessrecht an der Universität Würzburg, erläuterte den rechtlichen Rahmen technologischer Entwicklungen und zeigte die Schwierigkeit auf, ethische Aspekte bei der Programmierung autonomer Systeme zu berücksichtigen. „Technik entwickelt sich im Rahmen des Rechts“, sagte Eric Hilgendorf. Um sie zu regulieren, sei die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen notwendig.

Verantwortung ist stets eine menschliche.

Prof. Dr. Dr. h.c. Julian Nida-Rümelin Zum Profil

bidt-Direktoriums-Mitglied Professor Julian Nida-Rümelin, Inhaber des Lehrstuhls für Philosophie und politische Theorie an der LMU, unterstrich, dass Software-Systeme nicht haftbar gemacht werden können: „Verantwortung ist stets eine menschliche.“ In seinem Vortrag warnte Julian Nida-Rümelin vor einer Vermenschlichung autonomer Systeme, die die Unterschiede zwischen Mensch und Technik verschleiere. KI könne nur eine partielle Substitution menschlichen Handelns sein.

Von den Grenzen und dem Nutzen autonomer Systeme

Was ist bei autonomen Autos heute überhaupt technisch möglich? Fahrzeuge, wie sie aktuell im Handel erhältlich sind, könnten lediglich einen assistierten Fahrspurwechsel vornehmen, Geschwindigkeiten anpassen und Hindernisse als solche erkennen, ohne die Spezifikation, um was es sich hierbei handelt, erklärte die Informatikerin Alexandra Kirsch.

Die drei zentralen Probleme sind ihrer Einschätzung nach die Komplexität und damit Fehlerhaftigkeit von Software-Systemen, die Wartung und damit einhergehende IT-Sicherheit sowie eine Unzuverlässigkeit, die lediglich auf ein Minimum reduziert, nicht aber ausgeschlossen werden kann. Die Annahme, autonome Autos oder Busse seien wie menschliche Fahrerinnen und Fahrer nur besser (oder würden es bald sein), sei daher falsch. Tatsächlich könne man autonome Fahrzeuge eher mit Excel vergleichen, nur dass sie komplexer und unzuverlässiger seien. Deshalb ginge es für die Gesellschaft heute weniger darum, sich auf große technische Neuerungen vorzubereiten, als vielmehr darum, jetzt darüber zu entscheiden, wie vorhandene Technik für den Menschen eingesetzt werden soll.