Pressemitteilung Forderung nach Recht auf Homeoffice

Forderung nach Recht auf Homeoffice

Zu den Herausforderungen für die künftige Regierung nach der Bundestagswahl 2021 zählen die Digitalisierung der Arbeitswelt und die Gestaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen von Homeoffice. Die fünfte Befragung Digitalisierung durch Corona? des bidt zeigt hier deutlichen Handlungsbedarf auf.

  • Das bidt stellt die Ergebnisse der fünften Befragung Digitalisierung durch Corona? vor
  • Rechtsanspruch auf Homeoffice von 63 % der Befragten befürwortet
  • Deutliche Unterschiede bei der Arbeitszufriedenheit zwischen Befragten, die Homeoffice nutzen, und denen, die nicht von zu Hause arbeiten
  • Rückgang bei der Nutzungshäufigkeit von Homeoffice

So befürwortet eine Mehrheit der befragten Berufstätigen einen Rechtsanspruch auf Homeoffice. Zudem sind deutliche Unterschiede erkennbar bei der Arbeitszufriedenheit zwischen Befragten, die Homeoffice nutzen, und denen, die nicht von zu Hause arbeiten.

Mit der Coronapandemie haben die Themen Homeoffice und mobiles Arbeiten für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer deutlich an Bedeutung gewonnen. Das bidt führte die fünfte repräsentative Kurzbefragung unter 1.126 berufstätigen Internetnutzerinnen und -nutzern in Deutschland unter Verwendung von Google Surveys durch. Die jüngste Befragung erfolgte während der veränderten politischen Situation nach der Bundestagswahl mit den sich anschließenden Koalitionsverhandlungen von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP. Zudem gab das Auslaufen der Homeoffice-Pflicht Anlass für die Befragung. Die Ergebnisse im Überblick:

Forderung nach Recht auf Homeoffice

63 % der befragten Berufstätigen sind für die Einführung eines Rechtsanspruchs auf Nutzung von Homeoffice, sofern es die Tätigkeiten zulassen. Dabei ist die Forderung nach einem Recht auf Homeoffice vor allem bei den Befragten stark ausgeprägt, deren eigene Tätigkeiten für Homeoffice prinzipiell geeignet sind.

Rückgang bei der Nutzungshäufigkeit

Die Nutzung von Homeoffice ist rückläufig: Nur noch 31 % der befragten Berufstätigen sind mehrmals pro Woche im Homeoffice tätig – ein Rückgang von 15 Prozentpunkten gegenüber der letzten Befragung im Mai. Der Wert ist der niedrigste in allen durchgeführten Erhebungen des bidt während der Pandemie und liegt in etwa auf dem Niveau vom Sommer 2020.

Unterschiede bei der Arbeitszufriedenheit

Die Arbeitszufriedenheit bei den befragten Berufstätigen ist hoch. 77 % geben an, eher oder sehr zufrieden mit ihrer derzeitigen Arbeitssituation zu sein. Es zeigen sich jedoch Unterschiede: So sind insgesamt 83 % der Homeoffice-Nutzerinnen und -Nutzer mit ihrer derzeitigen Arbeitssituation zufrieden – im Vergleich zu 72 %, die kein Homeoffice nutzen.

Die Ergebnisse der bidt-Umfrage zeigen, dass es bei den Berufstätigen hohen Bedarf an einer Regulierung von Homeoffice gibt. Die künftige Regierung sollte hier die Zeichen der Zeit erkennen und Rechtssicherheit schaffen.

Dr. Roland A. Stürz Zum Profil

Sozialpartnerschaftliche Regelungen von Homeoffice sollten dabei im Mittelpunkt stehen: Eine Erhöhung der arbeitsrechtlichen Spielräume sowohl für die Arbeitgeber- als auch die Arbeitnehmerseite, eine stärkere Mitbestimmung bei der Ausgestaltung von Homeoffice-Regelungen und klare Vorgaben in Sachen Arbeits- und Gesundheitsschutz im Homeoffice sind mögliche Lösungswege.

„Gleichzeitig sollten Entscheiderinnen und Entscheider in Politik und Wirtschaft diejenigen im Blick haben, die aufgrund ihrer Tätigkeit nicht im Homeoffice arbeiten können. So sind Berufstätige ohne Homeoffice-Nutzung seltener mit ihrer Arbeitssituation zufrieden als Berufstätige, die mindestens gelegentlich zu Hause arbeiten“, so Stürz weiter. Eine einseitige Förderung von Homeoffice, beispielsweise durch steuerliche Anreize, könnte die soziale Kluft zwischen Digitalisierungsgewinnern und -verlierern weiter erhöhen. Dort, wo Homeoffice nicht möglich ist, müssten Politik und Arbeitgeber für einen geeigneten Ausgleich sorgen.

Ansprechpartner:innen

Pressekontakt

Dr. Margret Hornsteiner

Abteilungsleiterin Dialog, bidt

Anfragen zur Studie

Dr. Roland A. Stürz

Abteilungsleiter Think Tank, bidt