Nachbericht Digitalisierung in der Palliativversorgung

Digitalisierung in der Palliativversorgung

Wie kann die IT-basierte Zusammenarbeit in der Pflege künftig gestaltet sein? Wie lassen sich Kommunikations- und Kollaborationsprozesse optimieren? Diese Fragen standen Anfang November im Fokus der jüngsten Veranstaltung in der Reihe DigitalUmDrei.

© Robert Kneschke / stock.adobe.com

Die Veranstaltungsreihe DigitalUmDrei organisiert das bidt in Kooperation mit dem Forschungsverbund ForDigitHealth. Aus dem vom bidt geförderten Projekt PALLADiUM waren Moritz Markgraf und Professor Werner Scheider zu Gast.

Beim Format DigitalUmDrei steht der direkte Austausch von Forschenden und Gästen im Vordergrund. Möglich wird dies durch:

  • unkomplizierten Zugang per Online-Teilnahme
  • begrenzte Dauer von einer Stunde und 15 Minuten
  • aktive Einbindung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
  • Teilnahme steht allen Interessierten offen

Durch die aktive Moderation und den Wechsel in Break-out-Sessions können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Projekt bereits in einem frühen Stadium kennenlernen, Forschungsfragen reflektieren, eigene Fragen stellen und Feedback geben. So ist DigitalUmDrei ein Veranstaltungsformat, das vom Mitmachen lebt.

Was ist das Projekt PALLADiUM?

In ihrem Vortrag thematisierten der Wirtschaftsinformatiker Moritz Markgraf und der Soziologie-Professor Werner Schneider von der Universität Augsburg zunächst die Grundfragen rund um die Digitalisierung in der Palliativversorgung. Bei Palliativ Care stehe die Betreuung und Versorgung von schwer erkrankten Menschen jedes Alters in der letzten Lebensphase im Mittelpunkt. „Der Digitalisierungsgrad ist in diesem Bereich vergleichsweise gering ausgeprägt. Genau hier setzten wir mit unserer Forschung an“, erläutert Werner Schneider und ergänzt: „Wir betrachten nicht den Pflege-Roboter, an den man vielleicht zuerst denkt. Vielmehr fokussieren wir uns auf den Einsatz von IT in der Kommunikation innerhalb multiprofessioneller Teams.“

Das Projekt vereint Perspektiven aus Medizin, Soziologie und Wirtschaftsinformatik. Durch den interdisziplinären Ansatz sollen wertvolle Impulse für eine Verbesserung der als „technikfern“ geltenden Arbeitswelt Palliative Care, aber auch für die Gesundheitsversorgung und Pflege entstehen.

Welches sind Herausforderungen in Palliative Care?

Im Zentrum von Palliative Care steht immer der einzelne Patient und dessen individuelle Betreuung vor dem Hintergrund seiner Bedürfnisse und Wünsche in einer Phase, in der Heilung nicht mehr möglich ist und das Lebensende absehbar bevorsteht. Ein hochprofessionalisiertes, aus unterschiedlichen Fachdisziplinen wie Medizin, Pflege, Sozialpädagogik oder Psychologie zusammengesetztes Behandlungsteam muss hier ganzheitlich zusammenarbeiten. Fachkompetenz, Vertrauen, Einfühlungsvermögen und Kommunikation sind dabei besonders entscheidend. Insbesondere der Kommunikation und Kollaboration unter den Fachkräften kommt eine zentrale Rolle zu, denn es werden rund um den Patienten vielfältige Daten, Informationen sowie unterschiedliches Fachwissen ausgetauscht. Doch wie ist der Einsatz von digitalen Tools hier ausgeprägt und wie müssen sie beschaffen sein, damit der Wissensaustausch zwischen den Behandelnden optimal verläuft? Wo sind aber auch Grenzen der Gestaltungsmöglichkeiten solcher Tools?

Welche Rolle spielt Digitalisierung für die Behandlung? 

„Das Konzept Palliative Care ist radikal patientenzentriert: Hier spielt die umfassende Organisation der Behandlung und die Kommunikation rund um eine komplexe Kollaboration zum Wohle des Patienten eine wesentliche Rolle. Die Aufgabe der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es, als ein gemeinsames Team die Lebensqualität so lange wie möglich aufrecht zu erhalten“, erklärt Moritz Markgraf. Jeder Patient sei individuell, entsprechend hoch sei hier der Informations- und Wissensaustausch. Das Team muss daher über ein breites Basiswissen sowie ein umfassendes, spezifisches „Fallwissen“ verfügen, beides effektiv austauschen und konsequent erweitern. „Wir schauen uns dazu die IT-Systeme an: Wie sind sie aufgebaut? Wie wird Wissen nicht nur adäquat gesammelt, sondern auch organisiert und ausgetauscht, sodass am Ende eine höhere Behandlungsqualität erreicht wird?“, so Markgraf. Und dieses müsse unter der Grundvoraussetzung erfolgen, dass ein erhöhter Digitalisierungsgrad mit einem geringeren Verwaltungsaufwand einhergeht. „Digitalisierung sollte eine Arbeitserleichterung mit sich bringen, d. h. das Palliativ-Team entlasten und keinen Bürokratie-Aufbau nach sich ziehen.“

Forschung zur Palliativversorgung im Dialog

Nicht nur den Teilnehmerinnen und Teilnehmer bot das Dialog-Format DigitalUmDrei die Möglichkeit eigene Fragen zu stellen und mit Moritz Markgraf und Werner Schneider ins Gespräch zu kommen. Auch die beiden Wissenschaftler nehmen wiederum Impulse für ihr Forschungsprojekt mit.

Die interdisziplinäre und auch praxisbezogene Diskussion mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern hat uns noch einmal darin bestärkt, in diesem sensiblen Bereich der Versorgung am Lebensende empirisch möglichst genau hinzusehen, worin nicht nur die Möglichkeiten des Digitalisierens von Wissen bestehen, sondern auch die Grenzen dessen, was nicht digitalisiert werden kann und nicht digitalisiert zu werden braucht.

Prof. Werner Schneider, Universität Augsburg